Le-Mans-Wiederkehr: Bentley prüft die Modalitäten

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Audi engagiert sich bereits seit einer Dekade in der Sportwagenbranche. Porsche kündigte seine Rückkehr an. Folgt Bentley als Dritter im Bunde des VW-Konzerns? Motorsportchef Brian Gush versichert, der Einstieg in das Rennsportgeschäft sei lediglich eine Frage der Gegebenheiten – LMP1 im Fokus.

Der Volkswagen-Konzern schöpft seine Kapazitäten in sämtlichen Ressorts vollauf aus. Audi hat gleich drei Standbeine in der Le-Mans-Szene, der DTM und im Kundensport. VW erprobt auf der Nürburgring-Nordschleife Bioerdgas als Alternative zum konventionellen Treibstoff. Lamborghini bringt GT-Fahrzeuge unter den Hammer. Seat liebäugelt mit einem Comeback in die Tourenwagen-Weltmeisterschaft und Porsche proklamierte seine Rückkehr an die Sarthe. Jüngst sickerten nun auch die Informationen durch, der britische Traditionshersteller Bentley plane, wieder ins Geschäft einzusteigen.

Demnach kokettierten die Inselsportler mit dem Gedanken, ein Engagement in der LMP1-Königsklasse in Angriff zu nehmen. Für Bentley stelle sich lediglich die Frage, in welche Form der britische Konstrukteur zurückkehre, erläuterte Motorsportchef Brian Gush in einem Gespräch mit „Autoweek“. „Wir werden zurückkommen“, kündigt Gush an. „Die Frage ist bloß, wie.“ Der Zeitrahmen beschränke sich dabei auf fünf Jahre. „Im Moment ist es unsere Aufgabe, die Optionen zu eruieren. Wir überprüfen die Begebenheiten von der LMP1 abwärts.“

Eine Hürde, die sich Bentley stellt, ist die Problematik, ob das Mammutprogramm des Volkswagen-Konzerns nochmals expandieren kann. Allein in der Sportwagenbranche würden Audi, Porsche und schließlich Bentley in einem Wettbewerb untereinander konkurrieren. Den Porsche-Einstieg begrüßte Audi laut offizieller Stellungnahme noch herzlich, aber ein dritter Hersteller? Zumal die Frage nach der Finanzierung vielmehr in den Mittelpunkt rückt.

GT-Sport als Plan B?

„Es gibt eine zentrale Frage, die zunächst beantwortet werden muss“, konstatiert Gush. „Können Porsche und Audi zusammen in der LMP1 starten? Falls zwei Marken unseres Konzerns bereits gegeneinander antreten können, können es dann auch drei?“ Dennoch zeigt sich Gush kompromissbereit, dem Chef schweben bereits Alternativen vor. „Eventuell macht es für Bentley mehr Sinn, die Möglichkeit in ein anderen Kategorie zu prüfen.“

„Wir müssen erst einmal sondieren, ob wir mit einer Rennversion eines unserer existierenden Modelle ins Renngeschehen eingreifen können oder ob wir ein Rennfahrzeug konzipieren, für das auch eine Straßenvariante entwickelt wird“, fährt Gush vor. „Es wurde noch keine definitive Entscheidung getroffen, aber wir sind im Zuge, einige Auswertungen vorzunehmen und haben haufenweise Ideen.“ Derzeit ist der Bentley Continental GT das einzige Sportwagenmodell im Fuhrpark des britischen Herstellers.

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Von den „Bentley Boys“ zur Joest-Kooperation

Die Bentley-Historie selbst hat Höhen und Tiefen. Von dem Motorsport-Fanatiker und Rennpiloten Walter Owen Bentley im Jahr 1919 gegründet, rollte der englische Autobauer bereits vier Jahre später zur Geburtsstunde der 24 Stunden von Le Mans an den Start. In den Händen des britisch-französischen Duos John Duff und Frank Clement landete der Bentley 3 litre Sport auf Anhieb auf dem vierten Rang.

Im Folgejahr errang selbige Fahrerpaarung den ersten Triumph beim Schlager im Nordwesten Frankreichs. Ein wichtiges Standbein des Konstrukteurs aus Großbritannien waren die „Bentley Boys“ – eine Gruppe vermögender Rennfahrer, die ihrer Einsätze aus eigener Tasche finanzierten. Ein prominentes Mitglied der Privatiers war Woolf Barnato, der das Unternehmen im Jahr 2005 vor dem Konkurs rettete und eine kurzzeitige Erfolgsära einläutete.

Nachdem Bentley demgemäß 1925 in Le Mans passen musste und 1926 nicht das Ziel erreichte, begannen Dudley Benjafield und Sammy Davis am Steuer des altgedienten Drei-Liter-Modell eine beispiellose Siegesserie. Barnato gewann den Klassiker an der Sarthe ab 1928 dreimal in Folge, mit drei verschiedenen Teamkollegen. Anno 1931 fiel auch Bentley der Weltwirtschaftskrise zum Opfer. Das Konzept „Race on sunday, sell on Monday“ rentierte sich nicht mehr, und das Unternehmen wurde von Rolls-Royce aufgekauft.

Das Comeback in Le Mans erfolgte erst im Jahr 2001 – zwischenzeitlich wurde Bentley gar vom Volkswagen-Konzern übernommen. Auf Basis des Audi R8C, dem geschlossenen Version des Audi R8R, entwickelte der britische Autobauer in Kooperation mit Racing Technology Norfolk den Bentley EXP Speed 8. Beim Debüt 2001 beendeten Andy Wallace, Butch Leitzinger und Eric van de Poele an dritter Stelle.

2003 griff die Mannschaft nach dem werksseitigen Ausstieg von Audi auf die Expertise der Joest-Truppe zurück. Auf diesem Weg platzte letztlich der Knoten, und Bentley feierte einen dominanten Doppelsieg. Im Siegerauto hantierten Rinaldo Capello, Tom Kristensen und Guy Smith. Schlägt Bentley nun ein neues Kapitel seiner erfolgreichen Geschichte auf?