Sensation: Ein Wagen der zweiten Startgruppe auf Pole!

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Unter leichtem Regen beginnend, war beim Zeittraining zum zweiten Sechs-Stunden-Rennen der VLN 2011 an Spannung kaum zu denken. Als es dann abtrocknete, legten die GT3-Renner vor, bis, wie aus dem Nichts, ein Audi TTRS die Konkurrenz düpierte.

Damit hätte die Rennleitung wohl nicht gerechnet: Auf sie kommt zusätzliche Arbeit zu. Grund ist der Polesitter für das ADAC Ruhr-Pokal-Rennen. Jene erreichte der Audi TTRS des Teams Raeder Motorsport mit den Fahrern Frank Biela, Christian Hohenadel und Michael Ammermüller. Der Wagen ist in der Klasse SP4T für Wagen bis zu 2,6 Liter Hubraum mit Turbolader eingestuft. Diese ist normalerweise jedoch nicht für die Gesamtpoleposition vorgesehen. Daher startet der Audi normalerweise an der Spitze der zweiten Startgruppe. Doch was macht man, wenn dieser Wagen auf Gesamtrang eins steht? Unbestätigten Gerüchten zufolge soll der Audi, wie gewohnt aus der zweiten Startgruppe starten, bekommt aber zwei Minuten Zeitmodifikation. Damit sollte ein Gesamtsieg allerdings passé sein.

Doch zurück zur Chronologie des Zeittrainings. Es begann bei feuchten Streckenbedingungen und daher mit sehr verhaltenen Rundenzeiten. Die Spitze bewegte sich bei 9:50 Minuten, rund 1:40 Minuten langsamer als bei trockenen Bedingungen. Rang eins hatte zu diesem Zeitpunkt der SLS von Mamerow Racing vor dem #28-Phoenix-Audi R8 inne. Der Rest lag über 13 Sekunden dahinter. Daran änderte sich auch rund eine Stunde nach Trainingsbeginn nichts. Zwischenzeitlich wurden die Zeiten sogar noch langsamer. Vermutlich lag ein Abschnitt der Nordschleife in einem Regengebiet. Zu hoher Wahrscheinlichkeit war dies rund um den Aremberg, denn aus dieser Richtung zieht der Regen meistens über den Nürburgring herein.

Dies sollte jedoch nur ein kurzer Schauer bleiben. Im Anschluss wurden die Zeiten schneller, nachdem, angefangen vom GP-Kurs, die Ideallinie auf der gesamten Strecke abtrocknete. Somit begann rund zwanzig Minuten vor dem Schwenken der karrierten Flagge die Schlussoffensive, die von Marco Werner im #18-Race experience-Audi R8 eingeleitet wurde. In der Folge verbesserten sich die Zeiten und auch die Positionen mit jeder Start-Ziel-Überfahrt. Werners Zeit reichte vorerst für Rang drei. Kurz darauf folgten Klaus Abbelen und Marc Lieb, beide auf Porsche, die an die Spitze stürmten, Abbelen jedoch neun Sekunden schneller. Diese Zeit sollte wenig später von Chris Mamerow um zehn Sekunden pulverisiert werden. Auch Marco Werner kann nachlegen und schiebt sich bis auf 0,8 Sekunden an Mamerow heran. Sie hatten allerdings die Rechnung ohne Klaus Abbelen gemacht, der Zurückschlug. In seinem Schlepptau hatte er Michael Zehe, der sich an Abbelen noch vorbeipresst.

Zuschauer bei diesem Kampf war der #28-Phoenix-Audi R8. Die Fahrer Frank Stippler und Marc Basseng hatten im Schlussspurt mehr mit ihrem Wagen als mit den Zeiten der anderen zu kämpfen. Trotz mehrerer Boxenstopps und eines „Resets“ des R8 wollte die Ingolstädter Flunder nicht schnell fahren. So reichte es in der Endabrechnung nur für Rang 26.

Ungeachtet dessen fand einer die für ihn perfekten Bedingungen. So machte sich die Startnummer 225, der Audi TTRS, auf die Favoriten ein bisschen zu ärgern. Jener Wagen bringt auch, dank seines Frontantriebs, auf nasser Strecke so manchen Cup-Porsche zum Verzweifeln. Mit 9:33.478 Minuten setzte der von Nicky Raeder eingesetzte Renner ein erstes Ausrufezeichen. Auf abtrocknender Strecke distanzierte er damit Peter Posavac, den bis dahin Führenden, im Schubert-Z4 um 1,8 Sekunden auf Rang zwei. Damit sollte jedoch das Schlusswort gesprochen sein, als sich Roland Rehfeld den Spitzenplatz sicherte. Doch auch er war noch nicht sicher, denn erst Pedro Lamy im zweiten Schubert-Z4 und auch Michael Zehe im SLS und dann Marc Lieb im „dicken“ Porsche unterboten seine Zeit. Aber auch Klaus Abbelen, der Wurstfabrikant im Frikadelli-Porsche, wollte sich nicht geschlagen geben und fuhr glatte elf Sekunden schneller als der Rest. Michael Zehe konnte sich noch auf Rang zwei schieben, als Frank Biela seinen Hammer auspackte.

Der in Monaco lebende ehemalige Audi-Le-Mans-Fahrer zeigte keine Angst sich mit den „großen“ des Geschäfts in der VLN anzulegen und brannte eine 8:55.226 Minuten in den Asphalt. Damit brummte er dem zweiten einen Rückstand von neun Sekunden auf.

Somit gestaltet sich die Top-10 folgendermaßen. Frank Biela wischt der VLN-Elite eins aus und schnappt sich die Poleposition, vor Klaus Abbelen, Sabine Schmitz und Niclas Kentenich, die jedoch, sollten die Gerüchte um den TTRS stimmen, auf Rang eins vorrücken könnte. Dahinter folgen Michael Illbruck und Manuel Lauck im Pinta-Porsche vor den Teamkollegen Roland Rehfeld und Michael Zehe von ROWE Racing, vor dem Cup-Porsche von Kay Riemer und Rodney Forbes. Auf den restlichen Plätzen der besten zehn versammeln sich Marc Lieb, Lucas Luhr und Arno Klasen im „dicken“ Manthey-Porsche, Chris Mamerow und Armin Hahne im SLS von Papa-Mamerow, der #27-Phoenix-Audi R8 LMS und letztlich der #6-Schubert-Z4 von ex-Formel-1-Pilot Pedro Lamy.

Abschließend lohnt noch ein Blick auf die Wertungsgruppenführenden. Die Wertungsgruppe der VLN-Specials, der Klassen, die mit dem Kürzel „SP“ beginnen, konnte Frank Biela für sich entscheiden. Führende der Wertungsgruppe für Cup-Fahrzeuge sind Kay Riemer und Rodney Forbes, ein Wagen der Porsche-Cup-Klasse. Die Gruppe für ältere Fahrzeuge, genannt „H“, konnte ein Wagen der H3, die Startnummer 577, für sich entscheiden. Die letzte Wertungsgruppe sind die Serienfahrzeuge „V“, deren Führender ein Wagen aus der V6, der hubraumstärksten Klasse, ist. Jener trägt die Startnummer 382 und ist ein Porsche Cayman.