Spielberg: Stuck-Brüder lachen sich ins Fäustchen

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Kracher in der Steiermark: Eine wahrhaftige Hetzjagd auf dem Red Bull Ring sorgte für ein aufregendes Favoritensterben beim zehnten Saisonlauf der ADAC GT Masters. Doch jene ebnete gleichermaßen den Weg für Ferdinand und Johannes Stuck – Sieg Nummer vier, Meisterschaftsführung!

38 Runden Sonne und 26 Grad Celsius, 38 Runden Überholmanöver und Zwischenfälle: Die Stuck-Brüder sind zurück an der Tabellenspitze der ADAC GT Masters. Jedoch ermöglichte es fast einzig und allein das Pech der Gegner, dass die beiden Stuck-Stammhalter den Sonntagsdurchgang auf der österreichischen Traditionspiste als gewonnen bejubeln durften. Obendrein fuhren mit Dino Lunardi und Alexandros Margaritis ihre ärgsten Meisterschaftsrivalen bereits auf dem Silberrang über den Zielstrich – wohlgemerkt mit 45 Kilogramm Erfolgsbalast.

Bevor sich das Boxenstoppfenster öffnete, schien hingegen alles auf einen schwäbischen Doppelerfolg hinauszulaufen. In souveräner Manier steuerte der ehemalige DTM-Pilot Thomas Jäger den Mercedes SLS AMG GT3 mit der Startnummer 22 (MS Racing) vom Start weg auf Position eins in Richtung Pflichthalt, wenngleich der AMG-Kundenbeauftragte den ein oder anderen Angriff des auf Rang zwei gelegenen a-workx Akrapovic-Porsche mit Michael Ammermüller am Volant abblocken musste. Beide Autos fielen wenig später jedoch vollkommen überraschend aus der Entscheidung um den Sieg heraus.

Schwarzer Tag für die vermeintlich Schnellsten

Benz-Bändiger Florian Stoll – der von Stallkumpane Jäger übernommen hatte – musste in der letzten halben Stunde des Rennens eine Strafe antreten, da er seinen GT3-Flitzer unerlaubterweise kurzweilig mit weniger als 40 Sachen durch die Fast Lane der Boxenstraße rollen lies. Stoll tat dies, um so innerhalb der vorgegebenen 65 Pflichtsekunden für den Fahrerwechsel zu bleiben. Liefen die beiden MS Racing-Akteure dennoch als passable Fünfte ins Parc Fermé ein, musste die a-workx Akrapovic-Crew gar rundweg die Segel streichen: Der zur Halbzeit ins enge Elfer-Cockpit gekelterte Sebastian Asch stellte den GT3 R seiner Kollegen kurzerhand ab, als er zuvor ohne Antrieb nur noch langsam über die Strecke getrudelt war.

Glück somit für Ferdinand Stuck: Hatte sein Bruder vor den Stopps noch mit nicht ganz fehlerfreier Fahrt alles andere als siegfähig ausgesehen, konnte er die Gunst der Stunde nutzen. Just nach dem Bröckeln seiner Vordermänner glänzte der Starnberger mit guten Rundenzeiten; lies nichts nichts mehr anbrennen, auch, wenn er mit dem BMW Alpina B6 GT3 genau den Bayern-Brummer hinter sich hatte, der auch in der Meisterschaft hinter ihm und seinem Bruder liegt. Aktuell trennen die beiden Duos sieben Zähler voneinander (116 zu 109 Punkte). Dritte im Championat sind nach wie vor Christopher Mies und Luca Ludwig, Sohn des Ex-DTM-Champions Klaus Ludwig. Diese nahmen für Team Abt Sportsline (Audi R8 LMS) am heutigen Tage nichtsdestoweniger lediglich vier Pünktchen mit (total 93 Punkte).

Glanzloser Auftritt von Audi

Die Ingolstädter rannten in den letzten drei Tagen hüben wie drüben ihren Ansprüchen hinterher, deckte der gestrige Regen die Konkurrenzunfähigkeit der Supersportler mit den vier Ringen bloß nicht auf. War Gesamtposition acht für Mies/Ludwig im heutigen 60-Minuten-Sprint schon das höchste der Audianer-Gefühle, gingen die restlichen R8-Wummen geschlossen unter. Fiel der Phoenix Pole Promotion-Wagen (Rast/Landmann) gar aus, hielt das Schwesterfahrzeug mit den gestern noch aufs Stockerl gehüpften Recken Christopher Haase und Andreas Simonsen nur auf Rang 18 die Fahne der Mannschaft mehr oder minder nach oben.

Lob dürfen demgegenüber Harald Proczyk und Dominik Baumann einheimsen: Die Lokalmatadoren rangierten schlussendlich auf einem bravourösen dritten Platz. Heico Motorsport (AMG-Mercedes) schlug damit die ebenfalls äußerst beachtlich gefahrenen Promis der Callaway Competition-Equipe – Heinz-Harald Frentzen sowie Fahrerpartner Sven Hannawald unterstrichen mit Position fünf, dass in Zukunft mit ihnen zu rechnen sein dürfte. Des Weiteren stellten sie das mit Abstand beste Corvette-Aufgebot dar. Ihre Mannschaftskameraden Keilwitz/Alessi sahen nach Problemen mit der Hubraum-Diva aus Übersee lediglich als geschlagene Zwanzigste die Flagge.

Vom 02. bis 04. September bekommen alle Geschlagenen sowie auch alle Sieger eine neue Chance auf Punkte, Podien und Pokale. Dann wird nämlich der EuroSpeedway Lausitz Gastgeber der ADAC GT Masters sein. Ein heißes Pflaster, auf dem im Vorjahr noch Lamborghini das Zepter in der Hand hielt; doch auch Audi und Corvette reihten sich dort in den vorderen Reihen ein.