Spa-Francorchamps: Audi geht auf Löwenjagd

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Ring frei für die Diesel-Erbfeinde: Audi stürzt sich in die Höhle des Löwen und will der Peugeot-Siegesserie in Spa-Francorchamps ein Ende setzen. Aston Martin Racing wirft vorzeitig das Handtuch, Pescarolo bekommt Konkurrenz aus der Kundenabteilung. Ein Rundumblick in der Beletage der Prototypen.

Schon seit geraumer Zeit genießt der Ardennen-Klassiker den Ruf als Le-Mans-Generalprobe. Bei den 1.000-Kilometer von Spa-Francorchamps können die Akteure des Sportwagen-Metiers schließlich letzte Feinschliffe unter Rennbedingungen vor dem Stichtag im Juni tätigen. Entsprechend schlägt sich dies in den Teilnehmerzahlen nieder, die sich im Vergleich zum LMS-Auftakt in Le Castellet nahezu verdoppelt haben, was nicht zu Letzt an den ILMC-Gästen liegt.

Mithin sind auch die Dieselgiganten Peugeot und Audi nicht abgeneigt, die Flaggen für einen Trip in das Rheinische Schiefergebirge zu hissen. Überdies gewinnt das Aufeinandertreffen der Heizölelite an Brisanz, da die Herren der Ringe beim Test an der Sarthe Blut geleckt haben. Nachdem der neue Audi R18 TDI bei seinem Einstand brillierte und die französischen Selbstzünder im Schnitt fast drei Sekunden pro Runde distanzierte, reist Audi mit Rückenwind gen Spa-Francorchamps.

Die Peugeot-Vormachtstellung im belgischen Kurort gerät demzufolge akut in Gefahr. In den letzten vier Jahren verwandelte der französische Konstrukteur schließlich die Ardennen-Achterbahn in die Höhle des Löwen und trat mit dem Siegerpokal die Heimreise an. Audi sieht sich heuer jedoch endlich in der Lage, den Platzhirsch von seinem Thron zu stoßen. Jedenfalls scheint das Kräfteverhältnis ausgewogener denn je zu sein. Erwartungsgemäß werden die Drei-Wagen-Flotten der beiden Hersteller sowie die Oreca-Equipe mit ihrem Peugeot-Jahreswagen allerdings an der Spitze ungestört bleiben.

Im Schatten der Selbstzünder spielt sich unterdessen das Hauen und Stechen der Benzinermeute ab. Zu den LMS-Stammteams gesellt sich im zweiten Durchgang ILMC-Protagonist Oak Racing, der mit einem Pescarolo-Judd an den Start rollen und zu den Favoriten im Lager der konventionellen Antriebe zählt. Für die Pescarolo-Werksmannschaft sollte das deklarierte Ziel ebenfalls sein, an die Leistungen vom Aufgalopp anzuknüpfen, der unangefochten gewonnen werden konnte.

Indes quälten sich Rebellion-Toyota und Quifel-ASM mit technischen Ungereimtheiten. Falls diese bis zum nächsten Wochenende aussortiert sein sollten, bergen das Toyota-Aggregat und die Zytek-Konstruktion auf jeden Fall Potenzial, um Henri Pescarolo einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aston Martin Racing bekam dagegen die Kinderkrankheiten des AMR-One nicht in den Griff und zog seine Nennung für die Ardennen-Tour zurück. Selbiges gilt für Hope Racing.

Des Weiteren bringt MIK Corse seine Hybrid-Zytek-Boliden an den Start, der beim Le-Mans-Test bisweilen nicht wirklich überzeugte. Bis dato wird auch noch die Meldung von Guess Racing mit einem Judd-motorisierten Lola-Coupé auf der Nennliste geführt – allerdings solle der Start auf der Kippe stehen. Hierbei handelt es sich jedoch ebenso wenig um ein konkurrenzfähiges Fahrzeug wie bei dem Hybrid-Experiment der Italiener.