Le-Mans-Test: Audi zeigt Peugeot die Grenzen auf

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Audi-Festival an der Sarthe: Die Ingolstädter weihten den neuen Audi R18 TDI erfolgreich beim Le-Mans-Test ein und machten es sich am Klassementgipfel bequem. Im Schnitt waren die neuen Selbstzünder aus Bayern bei den Testfahrten bis zu drei Sekunden schneller als die Löwen, doch Peugeot legte am Ende noch einmal nach.

Audi feierte ein versöhnliches Osterfest im Département Sarthe. Die Herren der Ringe erteilten dem brandneuen Audi R18 TDI beim Le-Mans-Testtag den Ritterschlag und reüssierten auf den französischen Landstraßen auf ganzer Linie. Denn der innovative Heizölrenner ist nicht nur ultraleicht konstruiert, sondern bewegte sich auch ultraschnell über den Traditionskurs im Nordwesten Frankreichs.

Im Durchschnitt nahm die neue Dieselflunder dem überarbeiteten Selbstzünder aus der Peugeot-Schmiede drei Sekunden auf der über zehn Kilometer langen Kombination aus permanenter Rennstrecke und abgesperrten Straßen ab. Allerdings legten die Löwen mit dem Peugeot 908 am Nachmittag nochmals einen Zahn zu und schlossen die Lücke bis auf wenige Zehntelsekunden. Nichtsdestoweniger zementierten die Audianer ihre Leistung, indem sämtliche Ingolstädter-Akteure die Marke von drei Minuten und 28 Sekunden knackten – dies blieb den Parisern beinahe verwehrt.

Schlussendlich entpuppte sich Le-Mans-Ikone Tom Kristensen als flottester Schützling aus dem Audi-Lager und zirkelte den neuen Dieselboliden in 3:27,687 Minuten um den Circuit de la Sarthe. Sein Stallgefährte Mike Rockenfeller verpasste die Bestmarke des Dänen um kaum mehr als eine Zehntelsekunde. Das dritte Fahrzeug aus dem bayrischen Fuhrpark in den Händen von Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer packte es ebenfalls die Schallmauer von 208 Sekunden zu durchbrechen, doch Löwenbändiger Stéphane Sarrazin sprengte kurz vor Torschluss die Audi-Phalanx.

Der Routinier in Diensten von Peugeot peitschte die französisch Wildkatze innerhalb von 3:27,876 Minuten um die Sarthe. Die Markenkollegen taten sich hingegen schwer, gar unterhalb der Grenzen von dreieinhalb Minuten zu gelangen. Einzig Sébastien Bourdais hielt den Anschluss an die Front und erzielte einen Umlauf in 3:28,304 Minuten, während der dritte Peugeot-Renner mit fünfköpfiger Besatzung einen Rückstand von fast fünf Sekunden verbuchten.

Selbst Nicolas Lapierre, Olivier Panis und Loïc Duval, welche in Diensten von Oreca noch im Vorjahreswagen unterwegs sind, rangierten vor dem Schlusslicht der Peugeot-Werkstruppe. Über weite Strecke konkurrierte die Kundenmannschaft in jedem Fall auf Augenhöhe mit dem Neuwagen und ließ sich am Ende des Tages einen Zeitenunterschied von 3,454 Sekunden auf die Audi-Speerspitze notieren. Wie viel Aussagekraft die Ergebnisse vom Testtag über das Kräfteverhältnis der Dieselelite tatsächlich besitzen, lässt sich bekanntlich schwierig einschätzen. Ebenso ist es nicht auszuschließen, dass die Löwen bislang nur geblufft haben.

Aston Martin auf dem Holzweg

Aston Martin erlebte dagegen einen rabenschwarzen Tag, der nicht minder verkorkst wie das AMR-One-Renndebüt in Le Castellet verlief. Der britische Konstrukteur blamierte sich bis auf die Knochen und drehte Rundenzeiten unwesentlich unterhalb der Vier-Minuten-Marke. Schlussendlich zogen die Verantwortlichen die Reißleine und schickten ihre Piloten vorzeitig unter die Dusche, denn die Briten packten bereits am Mittag die Koffer.

Die Ehre der Benziner retteten stattdessen die Routiniers rund um Henri Pescarolo. Nichtsdestotrotz fehlten Emmanuel Collard, Christophe Tinseau und Julien Jousse knapp vier Sekunden auf das Dieselschlusslicht und sogar die doppelte Zeit auf Klassenprimus Audi. Eine Sekunde dahinter lauerten bereits die Rebellen. Mit dem Toyota-Aggregat in der überarbeiteten Lola-Verkleidung glückten den Rebellion-Trios Umläufe im oberen 3:30-Minuten-Bereich.

Selbst die Eiche erwies sich erneut als standfest. Oak Racing manövrierte sich mit dem Pescarolo-Judd in Schlagdistanz. Matthieu Lahaye, Guillaume Moreau und Pierre Ragues erzielten letztlich eine Bestzeit von 3:39,113 Minuten, während die Teamkollegen noch um einige Sekunden hinterher hinkten. Vanina Ickx, Bas Leinders und Maxime Martin (Kronos Racing) schafften es indes im Aston-Martin-Jahreswagen dagegen nicht unter 3:40 zu fahren, waren jedoch erheblich schneller als der aktuelle AMR-One.

Durchwachsene Hybrid-Premieren

Ein kleiner Höhepunkt stellte die Präsentation der beiden Hybrid-Boliden von Hope Racing und Mik Corse dar, nachdem Peugeot kurzfristig beschlossen hatte, seinen Elektroboliden der Öffentlichkeit doch noch vorzuenthalten. Der Oreca Swiss Hy Tech-Hybrid in den Händen von Steve Zacchia und Nicolas Marroc erzielte immerhin einen kleinen Erfolg, indem das Fahrerduo die 3:50-Minuten unterbot. Der Zytek 09H Hybrid in der Obhut von Mik Corse stotterte dagegen noch eine Ecke hinterher.

In der LMP2-Kategorie untermauerte indes Nissan seine jüngst erworbene Vormachtstellung. Das japanische Fabrikat war abschließend auf den ersten drei Rängen im Klassement zu finden. Franck Mailleux, Lucas Ordoñez und Soheil Ayari (Signatech) hatten schlussendlich die Nase vorne und ließen sich eine Bestleistung von 3:42,922 Minuten notieren

Die GTE-Am-Kategorie wurde von dem italienische Pferd aus Maranello dominiert. Der Ferrari F458 läuft augenscheinlich doch besser als nach den ersten offiziellen Testfahrten zunächst erwartet, denn die Farbe Rot prägte das Bild an der Spitze des Tableaus, angeführt von Dominik Farnbacher (Hankook-Farnbacher). Der deutsche Kutscher pulverisierte als einziger Gran-Turismo-Akteur die 240-Sekunden-Marke und brannte eine 3:59,966 Minuten in den Asphalt.

Wider Erwarten waren es allerdings nicht die Erzrivalen aus dem Weissacher-Lager, welche den Ferrari-Galopp störten, sondern die bayrischen Nachbarn aus dem Hause BMW. Augusto Farfus, Jörg Müller und Dirk Werner verbuchten einen Rückstand von fast zwei Sekunden auf den internen Spitzenreiter und landeten somit auf Klassenplatz drei. Die Porsche-Speerspitze stellte IMSA, welche dem Ferrari-Überflieger über zwei Sekunden nachstand und auf Position fünf rangierten.

Die beiden Aston-Martin-Vantage-Brummer sowie der Doran-Ford tummelten sich im soliden Mittelfeld, während der Lotus Evora unter dem Banner von JetAlliance Racing noch nicht wirklich in die Gänge kam. Die Larbre-Corvette, pilotiert von Olivier Beretta, Jan Magnussen Tom Millner und Oliver Gavin, fuhr zweimal Bestzeit (4:04,222 Minuten) in der Amateurwertung. JMB Racing (3:56,722 Minuten) sicherte sich den Platz an der Sonne in der Formula Le Mans.

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