Kompromiss in puncto Fehlstart: Ein Streichresultat nach Wahl

19

Porsche ließ die unverschuldete Nullnummer in Le Castellet nicht tatenlos auf sich sitzen. Deshalb räsonierten die Weissacher vehement gegen die Vorgehensweise der Rennleitung, welche letztlich eine Massenkarambolage auslöste. Als Kompromisslösung einigten sich die Betroffenen auf ein Streichresultat.

Nach dem Intermezzo beim Start in Le Castellet stand der Veranstalter zwischen zwei Fronten: Einerseits eine erzürnte Porsche-Fraktion, welche den Fehlgriff der Rennleitung heftig kritisierte, andererseits die Profiteure von Ferrari, die wiederum eine satte Punktausbeute nach der Porsche-Havarie ergatterten. Doch die Organisatoren konnten zwischen den Parteien vermitteln und eine Kompromisslösung finden.

Um den Verlust der möglichen Zähler beim LMS-Saisonauftakt zu kompensieren, zählen lediglich vier der fünf Wertungsläufe zur Meisterschaft. Den Mannschaften steht allerdings frei, welches Resultat sie streichen. Bei Porsche fällt die Wahl verständlicherweise auf das Sechs-Stunden-Rennen in Le Castellet, die Konkurrenz darf sich dagegen noch einen Patzer im Laufe der restlichen Saison erlauben. Am Ende des Jahres können die Protagonisten schlussendlich abwägen, welche Runde entfällt.

Damit hat sich die Rennleitung noch einmal aus der Affäre gezogen, denn die Verantwortlichen vor den Bildschirmen leisteten sich in der Provence einen gravierenden Schnitzer. Da unmittelbar vor der Freigabe des Rennens eine derart große Lücke zwischen LMP- und GT-Boliden entstanden war, beschlossen die Referees kurzerhand, das Feld auf eine zweiten Runde hinter dem Sicherheitsfahrzeug zu schicken. Allerdings sollte dieser Umlauf bereits als erste Rennrunde gewertet werden, weshalb die Ampel auf Grün schaltete.

Zwar wurde den Piloten via Boxenfunk signalisiert, das Tempo weiterhin zu drosseln, doch die Spitzengruppe beschleunigte intuitiv auf Renntempo. Im nächsten Augenblick wurden die Frontmänner jedoch wieder vom Safety-Car eingebremst und blockierten demzufolge die Fahrbahn für die heran eilenden Verfolger. Daraus entwickelte sich ein absolutes Horrorszenario für Porsche: Hilflos sahen die Anhänger des Weissacher Herstellers zu, wie sich die Piloten in den Neunelfern gegenseitig aus dem Rennen kegelten.

Somit gingen sämtliche Porsche-Profimannschaften leer aus, obwohl die Stuttgarter in der Qualifikation und den Trainingseinheiten ihr verheißungsvoll Potenzial demonstrierten. „Richard und ich hatten eine gute Rennabstimmung“, resümiert Felbermayr-Schützling Marc Lieb. „Vielleicht hätten wir sogar um einen Podiumsplatz kämpfen können. Nun heißt es volle Attacke beim nächsten Rennen in Spa.“

Immerhin setzte das Vater-Sohn-Gespann Horst Felbermayr Junior und Senior, die sich das zweite Felbermayr-Amateur-Cockpit mit Christian Ried teilen, alles daran, Wundenheilung zu betreiben. Deren Porsche-Brummer überstand das Desaster als einzige Equipe unversehrt und holte als letzter Mohikaner den Sieg in der GTE-Am-Kategorie.

Bei den belgischen Markenkollegen von ProSpeed Competition hatten die Beteiligten indessen andere Sorgen, erläutert Marco Holzer: „Nachdem die Startampel auf Grün schaltete, waren alle am Beschleunigen. Dann wurde plötzlich vorne wie verrückt gebremst. Ich bekam einen kräftigen Schlag von hinten und schleuderte quer über die Strecke. Dabei habe ich weitere Fahrzeuge touchiert.“

IMSA Performance Matmut versuchte ebenfalls das beste aus der Situation zu machen. Demgemäß machten die Mechaniker immerhin den GT3-Renner von Raymond Narac und Nicolas Armindo wieder startklar, um einige Testkilometer zu sammeln. Die professionelle Besatzung musste hingegen frühzeitig die Koffer packen. Der Porsche-Flitzer von Patrick Pilet und Wolf Henzler war irreparabel beschädigt.