Testtage in Le Castellet: Abwechslung am Feldgipfel

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Die Testergebnisse aus Le Castellet liefern ein verheißungsvolles Bild in sämtlichen Divisionen. Zwar zeigten in der Provence lediglich vier LMP1-Mannschaften Flagge, doch letztlich lagen die wenigen Kontrahenten innerhalb einer halben Sekunde – ähnliche Konstellation in den anderen Wertungen.

Noch sind nicht alle Geheimnisse gelüftet, doch auf etliche Fragezeichen, die für gewöhnlich vor den Testtagen über der Hackordnung schweben, gibt es nun Antworten. Bei mitunter nebligen und zeitweise feuchten Verhältnissen setzten die LMS-Akteure in Le Castellet erste Akzente, welche teilweise Auskünfte über das Kräfteverhältnis der bevorstehenden Saison geben. Ein eindeutiger Favorit lässt sich bis dato nach den offiziellen Testfahrten dennoch nicht bestimmen.

Die flotteste Rundenzeit drehten Andrea Belicchi, Jean-Christophe Boullion und Guy Smith im Auftrag von Rebellion Racing, die damit das Potenzial des neuen Toyota-Aggregats demonstrierten. Erwartungsgemäß liegt die Bestmarke von 1:46,573 Minuten jedoch deutlich hinter dem Zeitenniveau des letzten Jahres. Gleichzeitig zeichnete sich bei den Testumläufen auch eine enorme Leistungsdichte unter den Stammteams ab, denn die Stallgefährten Nicolas Prost, Neel Jani und Jeroen Bleekemolen bildeten mit 0,472 Sekunden Rückstand das Schlusslicht der Kategorie LMP1.

Bei der Konkurrenz untermauerten Miguel Amaral und Olivier Pla die Ambitionen seitens Quifel-ASM, welche das portugiesische Gespann mit seinem Aufstieg in die Prototypen-Königsdisziplin hegt. Die Routiniers umrundeten den Kurs in der Provence unwesentlich langsamer als Klassenprimus Rebellion. Der marginale Zeitunterschied lag bei 24 Tausendstelsekunden, die der Zytek 09SC dem Toyota-Novizen nachstand.

Vornehme Zurückhaltung herrschte bei der etablierten Traditionsmannschaft rund um Henri Pescarolo, die unter dem Namen Pescarolo Team nach einem Jahr Abstinenz ihre Rückkehr ins Sportwagen-Geschäft feiert. Emmanuel Collard, Christophe Tinseau und Julien Jousse positionierten sich an der dritten Stelle, indem das Trio mit Ach und Krach die Marke von 1:47 Minuten um 18 Tausendstelsekunden knackte. Auf die Topmarke fehlte damit fast eine halbe Sekunde.

Nissan brilliert beim Einstand

Für die Neulinge von TDS Racing lief alles nach Plan. Verpflanzt in einem Oreca 03-Chassis, funktionierte der nagelneue Nissan-Motor reibungslos, und das Duo Mathias Beche und Pierre Thiriet fuhr unangefochtene Bestzeit in der LMP2-Division. Am Ende des zweitägigen Tests stand ein persönlicher Rekord von 1:50,062 Minuten zu Buche, womit die Rivalen um über eine Sekunde auf Distanz gehalten wurden.

Die Kollegen von Race Performance, welche zwar auf dasselbe Karosseriemodell vertrauen, jedoch einen altbewährten Judd-Motor verwenden, kamen dagegen nicht über 1:52,282 Minuten hinaus. Nichtsdestotrotz reichte diese Bestleistung von Mathias Beche und Pierre Thiriet für den dritten Platz in der Wertung der kleinen Prototypen. Dazwischen quetschte sich die argentinische Fahrerpaarung Luis Perez Companc und Matias Russo (+1,112 Sekunden), die in Diensten von Pecom Racing die neue Lola-Version B11/40 testete. Unter der Haube des offenen Renners brüllte ebenfalls ein Judd-Antrieb.

Ein eindrucksvolles Ergebnis erzielte das Team RLR MSport, welches vergangene Saison im Spätsommer debütierte und auch im zweiten Lernjahr auf den MG Lola EX265-Judd setzt. Barry Gates, Rob Garofall und Simon Phillips (+2,715 Sekunden) sortierten sich im Mittelfeld auf Rang vier ein und ließen im selben Atemzug die arrivierte RML-Mannschaft hinter sich. Barry Gates, Rob Garofall und Simon Phillips (+3,217 Sekunden) manövrierten sich mit dem überarbeiteten HPD-Boliden, dem ARX -01d, lediglich auf den vorletzten Platz.

Selbst Fabien Rosier, Jean-Marc Luco und Maurice Basso (Extrême Limite AM Paris), welche die rote Laterne inne hatten, hielten den Anschluss an das Hauptfeld. Der Norma M200P-Judd erwies sich tatsächlich als wettbewerbsfähig. Letztendlich fehlte der französischen Equipe bloß rund eine Zehntelsekunde auf die RML-Crew.

Altbewährtes Material als Erfolgsgarantie

In der neu geschaffenen GTE-Klasse, die in Profi- und Amateure unterteilt ist, dominierte das Hankook Team Farnbacher. Dominik Farnbacher und Allan Simonsen brannten am Volant des alten Ferrari F430 GT2 eine 1:58,106 in den Asphalt und drückten ihren Mitstreitern knapp eine Sekunde aufs Auge. Bei den Markenkollegen von AF Corse lief es dagegen noch nicht ganz so rund, die als einzige Repräsentanten des italienischen Pferdes den neuen F458 Italia einsetzten. Giancarlo Fisichella und Gianmaria Bruni (+1,044 Sekunden) galoppierten der Porsche-Konkurrenz und dem Vorgängermodell nämlich noch hinter her.

Die Weissacher Rösser formierten sich dagegen zu einer geschlossenen Einheit. Die Positionen zwei bis vier wurden ausschließlich von Porsche-Delegationen eingenommen. Speerspitze der Stuttgarter bildeten Marco Holzer und Marc Goossens (ProSpeed Competition/+0,891 Sekunden), welche sich gleichwohl Eingeständnisse von beinahe einer Sekunde machen musste. Dahinter reihten sich Marc Lieb und Richard Lietz (Felbermayr-Proton/+0,975 Sekunden) sowie Patrick Pilet und Wolf Henzler (IMSA Performance Matmut/+1,022 Sekunden) ein.

Obwohl die Einsatzteams des Aston Martin Vantage den etablierten Marken von Ferrari und Porsche noch hinterher hinkten, hielten Young Driver AMR und Jota den Abstand gering. Im internen Duell schlugen die Jota-Schützlinge Sam Hancock und Simon Dolan (+1,596 Sekunden) die Semiwerkspiloten Tomas Enge und Alex Müller (+1,635 Sekunden).

Unter den Amateuren taten sich Raymond Narac und Nicolas Armindo (IMSA-Porsche) hervor, die sich mit 2:00,080 die beste Rundenzeit in der Division GTE Am notieren ließen. Auf den Rängen zwei und drei platzierten sich die AF-Corse-Piloten. Piergiuseppe Perazzini, Marco Cioci und Stéphane Lémeret (+0,092 Sekunden) setzten sich gegen ihre Kumpanen Robert Kauffman, Michael Waltrip und Rui Aguas (+0,260 Sekunden) durch.

Dahinter klassierten sich Michal Bromiszewski und Philipp Peter (Kessel-Ferrari/+0,277 Sekunden) vor Nicolas Misslin, Steve Quick und Khaled Abdull Al Qubaisi (JMB-Ferrari/+0,328 Sekunden). Weit abgeschlagen präsentierten sich dagegen Nicolas Misslin, Steve Quick und Khaled Abdull Al Qubaisi (CRS-Ferrari), die mit den nebligen und teilweise feuchte Bedingungen haderten und sich schlussendlich mit einem Umlauf in 2:02,134 Minuten zufrieden geben mussten.

Vier FLM-Boliden am Startschuss

Die Kategorie Formula Le Mans hatte die Abwesenheit des zweiten Einsatzgerätes von JMB Racing zu vermelden. Ersatzweise verstaute die monegassische Truppe den erwähnten Ferrari-GT2-Renner in ihrem Trailer. In der kleinsten Prototypen-Division erzielte deren Schützlinge Nicolas Misslin und Manuel Rodrigues die zweitschnellste Zeit von 1:56,054 Minuten. An die Spitze des Tableaus setzte sich das Quartett John Hartshorne, Steave Keating, Phil Keen und Hunter Abbott in Diensten von Neil Garner Motorsport, das seine Premieresaison gibt.

Ebenfalls in diesem Jahr mit von der Partie: Mirco Schultis und Patrick Simon aus der Kurstadt Wiesbaden. In Kooperation mit Pegasus Racing setzt dfl-Racing einen der FLM-Renner ein und ordnete sich zunächst knapp zwei Sekunden hinter dem Neil Garner-Gespann ein. Eine weitere Sekunde dahinter landeten Michael Tinguely und Luca Moro (Hope Racing).

Den Protagonisten bleiben nun drei Wochen, um die letzten Feinschliffe in Vorbereitung auf die bevorstehende Saison zu tätigen. Vom 1. bis zum 3. April steigt am selben Schauplatz auf dem Paul Ricard High Tech Test Track der Auftakt zur achten Le-Mans-Series-Saison.