Lance David Arnold: „Die Topspeed-Unterschiede sind zu gravierend“

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Lance David Arnold: „Das ist eine tickende Zeitbombe“ | © Ralf Kieven (1VIER.com)

Lance David Arnold problematisiert ebenfalls, inwieweit der Mercedes-AMG GT3 auf den Geraden der Nürburgring-Nordschleife gegenüber der Konkurrenz unterlegen sei. Dieser Nachteil berge mitunter Gefahren im Überrundungsverkehr des Eifelaner Traditionskurses. Daher bedürfe es einer Balance-of-Performance-Anpassung.

Auch in diesem Jahr rückt die Balance of Performance in den Brennpunkt der Diskussionen. Beim zweiten VLN-Saisonlauf äußerte sich Uwe Alzen geharnischt zur Einstufung des Mercedes-AMG GT3, dem es vorgeblich an Leistung gebricht, um auf den Geradeausabschnitten mit den anderen Hersteller zu konkurrieren. Sein Stallgefährte Lance David Arnold pflichtete der Reklamation im Anschluss an das DMV-Vier-Stunden-Rennen bei.

Um mit der Konkurrenz auf Augenhöhe zu operieren, müsse das Veranstaltergespann die Fahrzeugeinstufung revidieren. „Das Problem ist aktuell: Wir brauchen theoretisch Hilfe von außen. Und zwar: Die Topspeed-Unterschiede sind zu gravierend“, erklärt Arnold gegenüber VLN-Fanpage.de. Andernfalls berge die Unterlegenheit in den Vollgaspassagen mitunter Gefahren im Überrundungsverkehr.

Zugleich räumt der Pilot von Haribo Racing ein, inwieweit der Mercedes-AMG GT3 sich andernorts auf der Nürburgring-Nordschleife im Vorteil befinde. „Es geht nicht darum, dass man jammert, und sicherlich haben die anderen Autos, woanders Schwächen“, betont Arnold. „Das Problem ist aber, selbst wenn man ein langsames Auto auf der Geraden hat, man möchte ja trotzdem am Verkehr vorbei.“

Allerdings beeinträchtige das Manko in puncto Höchstgeschwindigkeit die Überholvorgänge. „Und man hat jetzt hier gesehen, gerade wenn die Strecke so voll ist: Du bleibst einmal kurz hängen, du bist verloren gegen einen, der zwölf, fünfzehn Kilometer pro Stunde schneller fährt“, problematisiert Arnold. „Und das war deutlich der Bentley, der Porsche. Und am Ende auch der Audi.“

Arnold: „Wir können diese Spielereien nicht machen“

Überdies sei Mercedes-AMG außerstande, etwaige taktische Manöver auszuführen, um dem Balance-of-Performance-Korrektiv zu entrinnen, weil sich die Sternenkrieger zwangsläufig am Limit bewegen müssten. „Diese Spielereien. Wir können diese Spielereien nicht machen“, räumt Arnold ein. „Wenn man sich die Onboards anschaut, und du siehst, dass wir einfach hundertsieben Prozent gehen und Risiko fahren. Da habe ich Angst vor.“

Ebendiese riskante Vorgangsweise bei den Vorbereitungen auf das 24-Stunden-Rennen sei brandgefährlich, weshalb es lediglich eine Frage der Zeit sei, ehe sich der nächste schwere Unfall auf dem Eifelaner Traditionskurs zutrage. „Das ist eine tickende Zeitbombe“, mahnt Arnold. „Ich gebe dem noch zwei Rennen – klopfe auf Holz –, aber dann liegt wieder eine im Wald, weil – noch einmal – der Überholvorgang findet trotzdem statt.“

Daher bedürfe der Silberpfeil eines Leitungsplus. „Und wenn wir langsamer sind, und wir nicht vorbei kommen, dann fahren wir trotzdem vorbei, dann quetschen wir uns vorbei“, stellt Arnold heraus, welcher daher an die Regelwächter den Appell richtet, Zugeständnisse an Mercedes-AMG zu machen. „Und das ist halt einfach diese Gefahr, die ich sehe. Dementsprechend lieber schneller auf der Geraden, dass du auch sauber überholen kannst – einen kürzeren Weg brauchst.“

Zudem sei durch den Vierfachtriumph beim letztjährigen 24-Stunden-Rennen ein verzeichnetes Bild des Kräfteverhältnisses in der GT3-Klasse entstanden. Der Mercedes-AMG GT3 sei mitnichten überlegen, sondern schlichtweg standfester und konstanter als die Konkurrenz. Denn hinsichtlich der Rundenzeiten seien BMW und Audi gegenüber Mercedes-AMG im Vorteil. Überdies seien der Marke mit den vier Ringen wiederholt Fehler unterlaufen.

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